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Das Wort der Verfolgten : Anthologie eines Jahrhunderts / herausgegeben von Bruno Kaiser
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Die unbestimmten Schrecken der geheimen Inquisition quälten selbst diejenigen in ihren Träumen und Gedanken, die der politischen Verfolgung glücklich entgangen waren. Der geniale Georg Büchner , der Schöpfer von ,, Dantons Tod ", in welchem nach einer kurzen Periode jugendlicher Gärung die deutsche Nation einen ihrer größten Geister gefeiert hätte, hatte sich durch die Flucht ins Ausland ge­rettet. Aber der bittere Gedanke an die Leiden seiner ge­fangenen Freunde in der Heimat mischte sich in das geist­reiche Spiel seiner Scherze, und der giftige Stachel eines immer sich erneuernden Schmerzes warf ihn auf sein früh­zeitiges Todesbett. Noch in den letzten Stunden traten ihm die Schauder der Inquisition in den Gebilden des Fiebers sichtlich vor Augen, und wie vor seiner Krankheit, so sprach auch der Sterbende noch in bitter wahren Worten über die verwerfliche Behandlung der politischen Schlachtopfer, die nach gesetzlichen Formen und mit dem Anschein der Milde in jahrelanger Untersuchungshaft gehalten werden, bis ihr Geist zum Wahnsinne getrieben und ihr Körper zu Tode gequält ist. ,, In jener Französischen Revolution", so rief er aus ,,, die wegen ihrer Grausamkeit so verrufen ist, war man milder als jetzt. Man schlug seinen Gegnern die Köpfe ab. Gut! Aber man ließ sie nicht jahrelang hin­schmachten und hinsterben." Dies sind die verdammenden Worte eines sterbenden deutschen Dichters über die Schande der geheimen deutschen Justiz.

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