Druckschrift 
Das Wort der Verfolgten : Anthologie eines Jahrhunderts / herausgegeben von Bruno Kaiser
Entstehung
Seite
30
Einzelbild herunterladen

unschuldiger Opfer als während der ganzen Revolution der Franzosen für die Freiheit eines Volkes gefallen sind.

Und sie sprechen von Blut, und schrecken das Volk mit dieser Seite, die in Frankreichs Geschichte der Freiheit mit Blut geschrieben ist; weil sie glauben, das Volk wisse nicht, daß die gewaltigen Bücher der Fürstengeschichte Blatt für Blatt mit Blut geschrieben sind; weil keiner es in Deutsch­land sagen darf, daß diese Throne auf Bergen von Leichen gebaut sind, daß jeder Purpur im edelsten Blute des Volkes rot gefärbt wurde. O Deutschland!

Neunundzwanzig Millionen Sklaven wohnen in Deutsch­land , und kaum eine Million Herren, Herrendiener und Zuchtmeister. Öffnet eure Augen, ihr Gefesselten, und sehet um euch! Ihr seid stets neunundzwanzig gegen einen! Rasselt nur an euren Ketten, ruft nur laut den Jammerruf, den in eure Brust zu verschließen euch eure Herren ge­bieten, und jene Ketten müssen fallen, und Schrecken wird durch die Reihe der Zuchtmeister und Herren von Herz zu Herz gehen. Sie wissen es, sie fürchten es, und des­wegen ihr Zorn, ihre Rache der Furcht.

O nur einmal sehet euren Feinden, den Feinden der Freiheit, ins Angesicht, und sie werden erbleichen, wie der Verbrecher, auf den das Auge der Gerechtigkeit hinab­blickt.

Neunundzwanzig Millionen Sklaven und eine Million Herren und Zuchtmeister!

O Deutschland! Armes Deutschland !

30