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Das Wort der Verfolgten : Anthologie eines Jahrhunderts / herausgegeben von Bruno Kaiser
Entstehung
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Geschichtsschreiber wird, vor innerem Abscheu, keine Worte finden können, wenn er etwa erzählen soll, was sich zu Fischau begeben hat; jene unehrlichen Heldentaten wird vielmehr der Scharfrichter beschreiben müssen ich höre das rote Eisen schon zischen auf Preußens ma­gerem Rücken.

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In der Fremde

III

Ich hatte einst ein schönes Vaterland.

Der Eichenbaum

Wuchs dort so hoch, die Veilchen nickten sanft. Es war ein Traum.

Das küẞte mich auf deutsch und sprach auf deutsch ( Man glaubt es kaum

Wie gut es klang) das Wort: ,, ich liebe dich!" Es war ein Traum.

Aus der Vorrede zum ersten Band des ,, Salon"

Paris , 17. Oktober 1833

Es ist eine eigene Sache mit dem Patriotismus, mit der wirklichen Vaterlandsliebe. Man kann sein Vaterland lieben, und achtzig Jahre dabei alt werden und es nie gewußt haben; aber man muß dann auch zu Hause ge­blieben sein. Das Wesen des Frühlings erkennt man erst im Winter, und hinter dem Ofen dichtet man die besten Mailieder. Die Freiheitsliebe ist eine Kerkerblume, und erst im Gefängnisse fühlt man den Wert der Freiheit. So be­ginnt die deutsche Vaterlandsliebe erst an der deutschen Grenze, vornehmlich aber beim Anblick deutschen Un­glücks in der Fremde.

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