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Das Wort der Verfolgten : Anthologie eines Jahrhunderts / herausgegeben von Bruno Kaiser
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Ich war den Sünden meiner Zeit ein Richter; Doch unter allen, welche schon verwesen, Erreichte keiner dich und dein Gelichter!

Was wird man einst auf deinem Grabe lesen, Der du zugleich Herodes gegen Kinder, Und gegen Männer Ezzelin gewesen!

Ein Unterdrücker, nicht ein Überwinder; Gezeugt von einer schauderbaren Lemure, Und dann gepropft noch auf den Stamm der Schinder!

Sohn eines Bankerts, Enkel einer Hure, Vernimmst du nicht, daß alle dich begrüßen: Rehabeam, wie steht's mit deinem Schwure?

Hier hast du nun die grause Schuld zu büßen: Die letzten selbst im Reich der Geister grollen Dir ins Gesicht und treten dich mit Füßen!

Gehorsam wußte dir die Welt zu zollen:

Dort nannten Schurken dich sogar den Frommen, Hier wär's Verbrechen, dir gehorchen wollen!

Wo sind die Sklaven alle hingekommen, Die unterwürfig ihrem Herrn und Meister Jedweden blutigen Frevel übernommen?

Hier gilt Gesetz, hier äußert sich in freister Tatkraft die Tugend, die du hast gelogen: Hier giltst du nichts, du bist im Reich der Geister.

Wie haben deine Schmeichler dich betrogen! Nun wirst du( wer gedächte dich zu schonen?) Zur ungeheuren Rechenschaft gezogen!

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