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AUGUST GRAF VON PLATEN 1832
Das Reich der Geister
Es lag ein Wüterich auf goldnem Kissen Und schlief; da kamen fürchterliche Träume Ihm ins Gemüt, gleich wilden Schlangenbissen:
Sie führten ihn in außerirdsche Räume, Vom Reich der Geister fühlt’ er sich umfangen, Das ewig klar und ohne Wolkensäume:
Entsetzlich war ihm, was die Geister sangen, Wie einst Tarquin vom Brutus ward vertrieben, Und wie Hipparchos nicht dem Tod entgangen.
Und solche Frevler wagt man hier zu lieben, So denkt er bei sich selbst, wo ist die Achtung Für jeden Machtspruch, den ich ausgeschrieben?
Was will die Sonne hier, da längst Umnachtung Ich übern Horizont der Welt verbreitet, Wo jeder kniet vor mir in Selbstverachtung?
Und sieh, ein Mann mit hoher Stirne schreitet An ihn heran und ruft: Bejammernswerter, Welch Schreckensschicksal ist dir hier bereitet!
Hier herrscht die Freiheit stets in unbeschwerter Gedankenruh, du kannst sie nicht verjagen, Ohnmächtig sind hier alle deine Schwerter!
Doch will zuerst ich, wer ich sei, dir sagen: Ich bin der große florentinische Dichter,
Nach dessen Staub du magst Ravenna fragen:
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