Ave Maria als ein äußeres Herunterplappern in jedem Falle. Auch Hilty läßt sich dabei ertappen. Aber wiewohl hier eine Gefahr ist, die ich sehr wohl sehe, hat die Sache eben auch eine andere Seite. Hilty wird erstaunt sein, wenn er in der andern Welt erfährt, wieviel Rettungen ein schein- bar nur hergesagtes Vaterunser oder Ave Maria gebracht hat, wie viele Sünden durch»herunter- geleierte« Litaneien nicht begangen wurden! Viel- leicht sagt einer, er hätte ebensogut andere sinn- lose Wörter hersagen können. Aber das ist ein gewaltiger Irrtum. Jedes Wort unserer großen Litaneien hat objektiv einen gar nicht ausschöpf- baren Sinn, eine unberechenbare Möglichkeit der Kontemplation und: auf allen diesen einzelnen Wörtern liegt ein großer Segen, der ihnen von Gott durch jene wurde, die sie mit reinem und brennendem Herzen gebetet haben.
3. Januar
Wenn dieser Betrug einmal ein Ende genommen haben wird- und der Anfang vom Ende ist nun da-, dann gilt es, keine falschen Bewegungen zu machen. Und eine grundfalsche Bewegung wäre eine, wenn auch negative, Bewunderung und Hochachtung. Es gibt neben dem Schauer und Abscheu vor dem übermenschlichen Bösen, das zugrunde lag und liegt, nur das riguarda e passa. Man kann es betrachten, um zu verachten und- weiterzugehen. Vor allem: weitergehen!
Wie aber, wenn das offenbare Scheusal doch nur der uns’gnädig vorgehaltene Spiegel wäre, der mit exzeptioneller Schamlosigkeit und Aufrichtigkeit genau wiedergibt, wie wir in Wahrheit sind und vor Gott aussehen? Was dann? Wie ist es dann
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