Keiner sonst, so groß er unter Menschen vergleichsweise auch sein mag. Die ewigen Wahrheiten müssen immer wieder einen neuen Leib der Zeit bekommen. Newman oder Kierkegaard oder Hilty mußten und konnten Dinge sagen, die eben Thomas oder Augustinus nicht sagen konnten, obwohl sie dasselbe sagen. Es wäre ja wohl auch ungerecht, wenn die Gaben und die Leiden solcher Männer nur unnötige Wiederholungen zur Frucht gehabt hätten.
Die Konsequenz der menschlichen Freiheit scheint zu sein, daß mein Heil ganz von mir abhängt, die Konsequenz der göttlichen Vorherbestimmung, daß es überhaupt nicht von mir abhängt. Der menschliche Verstand, der nur eine dieser Konsequenzen zieht und die andere aufgibt, gibt zweifellos die Wirklichkeit auf und versagt dadurch ihr gegenüber, denn er ist untertan der Wirklichkeit, er darf nicht aus sich heraus oder aus bloßen Gedanken heraus argumentieren, konstruieren und dekretieren. Der menschliche Verstand aber, der unerschrocken und tapfer beide Konsequenzen zieht, was er, um sich und seiner Aufgabe treu zu bleiben, tun muß dieser menschliche Verstand erklärt sich bankerott vor seiner eigentlichen Aufgabe: zu verstehen, also das zu tun, woher und wofür er doch seinen Namen hat: zu verstehen. Er versteht das nicht. Jeder Versuch, vor diesem Geheimnis, diesem Mysterium in eine Annäherung sich zu flüchten, ist eine Täuschung oder eine Lüge, denn er versteht das nicht. Doch liegt hier noch eine einmalige Seltsamkeit vor. Dieses Nichtverstehen hat gefühlsmäßige Merkmale, die jedes andere nicht hat. Es gibt ja wahrlich unzählige
200
-


