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Tag- und Nachtbücher : 1939 - 1945 / Theodor Haecker ; mit einem Vorwort herausgegeben von Heinrich Wild
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Einen Menschen, der sein Volk nur kommandiert, nicht von Natur einfach selbstverständlich liebt, verstehe ich nicht. Ein solcher Mensch ist eben nicht natürlich. Er ist seelisch oder geistig krank. Dabei aber hat es sein Bewenden. Jede auch noch so leichte Überbetonung dieser Liebe auf Kosten der großen Dinge, also der Wahrheit, Gerechtig­keit, Güte, Schönheit, ist mir im Innersten zu­wider. Goethe ist für mich allein dadurch un­endlich viel größer als Fichte oder Arndt, und Aristoteles als Demosthenes , dessen chauvinisti­sche Clique ihn zum Vaterlandsverräter stempeln wollte. Noch niemals sind alle schlechten Eigen­schaften eines Volkes von Verbrechern so total und erfolgreich mobilisiert und ausgenützt wor­den wie heute die des deutschen Volkes. So liegt heute die Liebe des Deutschen zu seinem Volke nur in der Bewahrung der Hoffnung, daß es noch Zeit gewinne, zu seinem besseren Wesen zurück­zukehren. Die Liebe muß die Furchtlosigkeit ge­winnen: lieber im Zeitlichen, Materiellen, Kör­perlichen vernichtet zu werden, als an seiner Seele Schaden zu nehmen für ewig. Ich erinnere mich noch gut, welche Angst ich 1918/19 hatte, daß wir an Ruhm und Geltung in der Welt ver­lören. Das war eine große geistige Schwäche. Ich weiß jetzt mit Gewißheit, daß heute die Welt zu erobern für Deutschland der Ruin wäre. Herr Frank, der eines der ausgestorbensten der vielen heutigen deutschen Verbrechergesichter hat, soll gesagt haben, daß Hitler von Gott zum» Herrn der Erde« bestimmt sei.

Meine Worte werden nicht vergehen«, konnte eben in Wahrheit nur das Wort Gottes sagen.

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