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Tag- und Nachtbücher : 1939 - 1945 / Theodor Haecker ; mit einem Vorwort herausgegeben von Heinrich Wild
Entstehung
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Das Ärgernis, das eine falsche Lehre anrichtet, ist doch oft ärger, als ein falsches Leben es ge­ben kann. Denn daß ein Leben falsch ist, er­kennen im allgemeinen die Menschen doch leich­ter und sicherer, als daß eine Lehre falsch ist. Von den Priestern der deutschen Herrgottreligion ge­nügt es nicht, zu sagen: tuet alles, was sie euch sagen, aber seid nicht, wie sie selbst sind. Man muẞ sogar zuerst sagen: tuet und glaubet ja nicht, was sie euch sagen und lehren.

Die Astronomen sagen uns, daß unheimlich viel leerer Raum im Weltall sei. Aber gilt das nicht auch von der Zeit? Womit ist die Zeit der Welt, seitdem sie erschaffen ist, mit ihr erschaffen wurde, denn ausgefüllt, und womit die Zeit eines jeden einzelnen Lebens? Dennoch wissen wir von einer Fülle der Zeit. Entspricht dem etwas im Raume?

Der Geist ist autonom. Er ist es, der richtet, aber von niemand gerichtet wird. Wenn der Mensch als Geist angelegt ist, so ist er als autonom an­gelegt. Nie könnte ein Mensch auf die Idee der Autonomie kommen, wenn er nicht als autonom angelegt wäre. Der Weg, den er dazu einschlägt, in Kant zum Beispiel, ist falsch. Es gibt eben nur einen Weg, und der ist der Logos selber, der es selber gesagt hat: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben in einem.

Einer nur kann eindringlich sagen, was, wie man später feststellt, zur selben Zeit tausend andere auch gesagt haben. Das Geheimnis solcher>> Ein­dringlichkeit ist rational nicht leicht zu erklä­

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