lich ohne Beispiel. Mir wenigstens ist keines bekannt.
Die Suspension, die Aufhebung des Ethischen, des » Allgemeinen«, kann nach der Ansicht Kierke gaards , wie ich es verstehe, nur durch einen direkten Befehl Gottes an den einzelnen gerechtfertigt werden. So ist es zweifellos im Falle Abrahams . Das ist aber wohl nicht immer so. Im übrigen hängt alles davon ab, was denn unter dem Ethischen verstanden werden soll oder unter dem direkten Einspruch oder Befehl Gottes. Daß man der Obrigkeit gehorchen soll, gehört, zum Beispiel, sicherlich zur natürlichen Ethik. Aber wie schwankend ist das alles, so daß man sich schon genötigt sah, die Obrigkeit, der gehorcht werden muß, auf eine» rechtmäßige«, ja sogar auf eine » gesetzmäßige« einzuschränken und von» göttlich sanktionierter Ethik« zu sprechen. Das heißt also, es gibt auch eine falsche Obrigkeit und eine falsche Ethik. Brauche ich etwa in beiden Fällen ein außerordentliches göttliches Wirken in mir, um ein Recht zu haben, nicht zu gehorchen? Ich glaube nicht. Befiehlt mir ein rechtmäßiger Vorgesetzter, unschuldige Frauen und Kinder zu martern und zu töten, oder befiehlt mir ein Tyrann eine an sich rechtmäßige Handlung: brauche ich in beiden Fällen ein außerordentliches Einschreiten Gottes in mir, um den Gehorsam zu verweigern und damit vor Gott Recht zu haben? Ich glaube nicht. Es ist ein Kampf im Gewissen des Menschen, bei dem es sich um allgemeine Gebote Gottes und den Willen einer falschen, aber augenblicklich maẞlos mächtigen Obrigkeit der Menschen handelt.
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