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Tag- und Nachtbücher : 1939 - 1945 / Theodor Haecker ; mit einem Vorwort herausgegeben von Heinrich Wild
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wir uns vorwagen, ohne der Wahrheit zu nahe zu treten und die Ordnung der Ordnungen zu verletzen.

Es gibt in der Tat Menschen, die wie ein Buch reden. Glücklicherweise gibt es zum Entgelt Bü­cher, die wie ein Mensch reden.

11. November

Immer wieder erschrecke ich vor den Stimmen der Deutschen . Sie verraten alles, sie schreien das Böse aus sich. Noch furchtbarer freilich ist. daß es nicht gehört wird. Heute hörte ich die Stimme des Generalfeldmarschalls von Brau­ chitsch . Wüst und leer schnarrte diese Stimme Dinge, die wüst und leer sind: eine dämonische Totenbeschwörung im Namen des» Führers<< und der nationalsozialistischen Weltanschauung. Frei­lich übertraf ihn noch die Stimme des Herrn Bal­ dur von Schirach , Statthalters von Wien und Füh­rers der deutschen Jugend. Der Schmelz dieser schmalzenen Stimme beendete dieses deutsche Re­quiem. Ach, welcher Mißbrauch dieses Wortes! Sie wollen ja auch gar nicht, daß sie ruhen, die Toten. Sie sind» auferstanden« auf den Ruf Hitlers .

Weil durch den Willen das Böse real in die Welt kam, ist es verständlich, daß der Wille selber von Philosophen für böse gehalten wurde; weil durch Macht das Böse verwirklicht wird kein Wunder, daß die Macht selber für manche als böse gilt.

Die Diener des Teufels haben nun im Großen seine wirksamste Methode gelernt und übernom­

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