Gedächtnisses eingegraben ist. Dasselbe gilt, um- gekehrt, auch von der stillen Seligkeit.
Wenn Platon bis zu der Erkenntnis und Über- zeugung. gelangt, daß es besser ist, Unrecht zu leiden als Unrecht zu tun, dann hat er nicht weit bis zum Wesen der christlichen Ethik- was sage ich: er ist mitten drin.‘ Aber freilich, zum Wesen des Christentums gehört, daß ich glaube, daß Jesus von Nazareth der ewige Sohn Gottes ist.
. Mundum tradidit disputationi eorum. Gott über-
gab den Menschen die Welt zum Disputieren, zum Kopfzerbrechen, ja sogar, daß sie einander den Kopf zerschlagen.
4. Oktober
Ich habe einmal einem Verzweifelnden den Rat gegeben, zu tun, was ich selber in ähnlichen Zu- ständen getan habe: in kurzen Fristen zu leben. Komm, sagte ich mir damals, eine Viertelstunde wirst du es ja noch aushalten können!
Auch das Beste, was der Beste geschrieben hat, könnte noch besser sein. Da gibt es kein Ende. Wer nicht ein Ende setzt, weil auch in der Zeit und für ein Werk in der Zeit eines sein muß, der kommt eben nicht zu Ende. Und schließlich: hat nicht Gott auch so getan? Hätte diese Welt nicht vielleicht besser sein können, trotz Leibniz? Aber das ist menschlich gesprochen.
Daß einer nur teilweise Humor hat oder ver- steht, ist natürlich auch nicht das Richtige, denn der Humor sollte ein Sauerteig sein, der eines Menschen ganzes Sein und Gebaren durchwirkt.
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