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Tag- und Nachtbücher : 1939 - 1945 / Theodor Haecker ; mit einem Vorwort herausgegeben von Heinrich Wild
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neuen Traum erwacht- vielleicht ist mein ganzes Leben so. Für einen Dichter und einen Meta­physiker liegt das sehr nahe. Für den religiösen Menschen ist es eine Ablenkung- eine Träumerei, die er ablehnt.

Manche Katholiken verwechseln sich selber so mit ihrer Religion, daß sie meinen, man konvertiere ihretwegen und nicht Christi und der Wahrheit wegen. Das ist zuweilen in grotesker Weise komisch.

Die Menschen sind rar geworden, die an einem Wort erforschen, wieviel Wahrheit in ihm ist. Die meisten Menschen interessiert nur, wieviel Wirkung in ihm ist.

Frauen haben im allgemeinen keine Freude an Satire und Polemik, und das ist gut so, sie sind nicht ihre Sache. Satire und Polemik sind und bieten kein Heim, sie haben gar nichts Mütter­liches.

Die rechte Ordnung: der einzelne Satz dient der Periode, welche ein Bau ist, und wird von ihr bestimmt. Erst kommen die geistigen Handlungen der Behauptung, der zahllos nuancierten Bezie­hungen aller Art in Grund und Folge und Ab­sicht und Bedingung und besonders, bei schwie­rigen und vorsichtigen Geistern, der Einräumung, angefangen von der lauten, rückhaltlosen, bis zur halb, ja widerwillig gerade noch gelispelten alle diese geistigen Handlungen geben den ein­zelnen Sätzen ihre Gestalt in der klassischen Prosa aller abendländischen Nationalsprachen

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