Druckschrift 
Tag- und Nachtbücher : 1939 - 1945 / Theodor Haecker ; mit einem Vorwort herausgegeben von Heinrich Wild
Entstehung
Seite
146
Einzelbild herunterladen

Prophezeiung, die in gewaltigem Maßstab sich erfüllen sollte.

Von einem, der als Beruf mit moderner Literatur und Philosophie sich beschäftigt, verlangen, er solle Literatur und Philosophie sub specie aeterni be­trachten, heißt ganz einfach, er solle sie überhaupt nicht sehen, denn sub specie aeterni ist sie eben gar nicht da. Darf man solche Askese von ihm verlangen, wenn er sie selber nicht üben will?

Es ist verboten, Angehörige der Parteiformation mit» Kerle« zu bezeichnen. Eine gewaltige Wand­lung des Sprachgebrauchs, wenn man bedenkt, daß Goethe und Schiller noch» Kerle« waren und daran keinen Anstoß nahmen, wiewohl das Wort ja schon von einem preußischen König versaut worden war. Wahrlich, die, die es jetzt verbieten, haben durch ihr Wesen und Dasein am meisten zur Diffamierung dieses Wortes beigetragen diese Kerle!

Wenn man die Geschichte liest und die Geschich­ten, die Anklagen der Völker gegeneinander, dann hat Gott eigentlich nichts anderes zu tun als zu- rächen. Ist das eine gotteswürdige Aufgabe? Warum, warum, im Namen der Dreieinigkeit: warum das alles?! Was ist? Oder: was ist ge­schehen, damit die Welt so ist?! Denn die Dumm­heit der Welt, die ja wahrlich da ist, die Dumm­heit nämlich, daß sie gar nicht merkt, was ist und geschieht, ist doch keine Erklärung dafür, daß Gott es zuläßt, im Gegenteil, gerade diese Dumm­heit muß uns ja erst erklärt werden. Das ist die Sprache des Geärgerten, der jeder Mensch

146