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Tag- und Nachtbücher : 1939 - 1945 / Theodor Haecker ; mit einem Vorwort herausgegeben von Heinrich Wild
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hatten Ähnliches: die Juden hatten die»bräut- lihe« Jungfrau. Und erst die Verbindung, die natürlich-übernatürliche Verbindung der natür- lichen, stolz-scheuen artemisischen und der mütter- lich-weisen athenischen und der bräutlich-bren- nenden jüdischen Jungfräulichkeit mit der über- natürlich-göttlichen der Mutter Gottes, Maria, hat die große abendländische Nonne geschaffen. Heute wird vom Herzen Europas aus zugleich mit der Verachtung und der Diffamierung der Braut Christi auch der natürliche Adel des Abend- landes, die Jungfräulichkeit der Artemis und der Athene , in den Schmutz gezogen. Und welche Ideen setzen sie an ihre Stelle? Leichter zu ver- wirklichende! Die reglementierte Hure und die kalbende Kuh! Die Idee der Vollkommenheit der Ehe steht mit der der Jungfräulichkeit in enger Verbindung. Diese ist jener übergeordnet als Anti- zipation des Zustandes im ewigen Leben. Dort werden nicht»Mann und Weib« nicht mehr sein - sie sind ewig, denn der Mensch ist als»Mann und Weib« geschaffen-, sondern nur die tieri- sche Propagation wird nicht mehr sein.

Die Menschen, die»stille Wasser« sind, glauben oft schwer an die Vergebung der Sünden und bleiben trübe und werden den Schmutz nicht los. Die Menschen, die tätig, die»fließende Wasser« sind, glauben leichter daran.

Unter allen Sterblichen hat Platon die glücklich- sten Bilder für Wesen und Dasein der Menschen und der Welt gefunden und damit auch unter Umständen die gefährlichsten: daß das Wesen der Welt Überfluß und Mangel ist; daß im Men-

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