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Tag- und Nachtbücher : 1939 - 1945 / Theodor Haecker ; mit einem Vorwort herausgegeben von Heinrich Wild
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eine Art gedanklicher Lust, die das geistige Leben schwächt und entnervt.

Wie früh schon gewisse Erkenntnisse, Selbst­erkenntnisse und Warnungen in einem Menschen­leben auftauchen können! Oft fehlt es nur an der Kraft der Erinnerung, das zu bemerken. Ich er­innere mich aus meiner Kindheit, etwa meinem zwölften Jahr, wie mich ein Gedanke überfiel, und auch hier, wie bei so vielen wichtigen Er­innerungen, erinnere ich mich auch an die Straße und sehe mich gleichsam, etwas sehr Seltsames und Unbegreifliches, auf der Straße gehen. Da­mals lasen wir Nepos in der Schule, und ich phantasierte mich gern in die Rolle eines römi­schen Konsuls oder Senators, aber eines Tages am» Fischbrunnen« überfiel mich der Gedanke - ich war zwölf Jahre alt-: wie stark wärest du, wenn du dieses Spielen ließest und deine Gedan­ken auf» Wirkliches« richtetest! Ich habe diesen Hang zu kindischer, fruchtloser Phantasie auch heute noch, mit 61 Jahren, aber immer auch da­bei die Erinnerung an jene Warnung, aus einer angeborenen Anlage nicht ein Laster werden zu lassen, sondern eine Tugend zu machen. Ich habe ja wohl auch die Entdeckung gemacht, daß Men­schen ohne allen Hauch solcher Phantasie ret­tungslose Banausen werden, freilich oft sehr tüch­tige und erfolgreiche.

Das Abendland hatte eine natürliche Erkenntnis vom Geiste der Jungfräulichkeit, konkretisiert in den prachtvollen, bluterfüllten Göttinnen Arte­ mis und Athene , in den blasseren, begrifflicheren der Diana und Minerva . Keine anderen Völker

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