eine Art gedanklicher Lust, die das geistige Leben schwächt und entnervt.
Wie früh schon gewisse Erkenntnisse, Selbsterkenntnisse und Warnungen in einem Menschenleben auftauchen können! Oft fehlt es nur an der Kraft der Erinnerung, das zu bemerken. Ich erinnere mich aus meiner Kindheit, etwa meinem zwölften Jahr, wie mich ein Gedanke überfiel, und auch hier, wie bei so vielen wichtigen Erinnerungen, erinnere ich mich auch an die Straße und sehe mich gleichsam, etwas sehr Seltsames und Unbegreifliches, auf der Straße gehen. Damals lasen wir Nepos in der Schule, und ich phantasierte mich gern in die Rolle eines römischen Konsuls oder Senators, aber eines Tages am» Fischbrunnen« überfiel mich der Gedanke - ich war zwölf Jahre alt-: wie stark wärest du, wenn du dieses Spielen ließest und deine Gedanken auf» Wirkliches« richtetest! Ich habe diesen Hang zu kindischer, fruchtloser Phantasie auch heute noch, mit 61 Jahren, aber immer auch dabei die Erinnerung an jene Warnung, aus einer angeborenen Anlage nicht ein Laster werden zu lassen, sondern eine Tugend zu machen. Ich habe ja wohl auch die Entdeckung gemacht, daß Menschen ohne allen Hauch solcher Phantasie rettungslose Banausen werden, freilich oft sehr tüchtige und erfolgreiche.
Das Abendland hatte eine natürliche Erkenntnis vom Geiste der Jungfräulichkeit, konkretisiert in den prachtvollen, bluterfüllten Göttinnen Arte mis und Athene , in den blasseren, begrifflicheren der Diana und Minerva . Keine anderen Völker
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