Druckschrift 
Tag- und Nachtbücher : 1939 - 1945 / Theodor Haecker ; mit einem Vorwort herausgegeben von Heinrich Wild
Entstehung
Seite
115
Einzelbild herunterladen
  

r

e

1

1

0

I,

n

93

B

it

e-

m

as

in

e,

as

-

SO

t-

nisse von dem Anfang der Welt und damit auch von ihrem Ende.

Es gibt vieles, was ich in einem ewigen Leben für immer und ohne eine Spur vergessen haben möchte; es dürfte in keiner Weise existieren, we­der real noch als Gedankending oder Möglichkeit oder eben auch Erinnerung. Es gibt andere Dinge, die ich nicht missen möchte, die ich, glaube ich, eine Ewigkeit lang mit Genuß aushalten könnte. Dazu gehört die» Betglocke« am Abend.

Die deutsche Herrgottreligion ist eine» Welt­anschauung« diesseits jeder wahren Religion, aber auch jeder wahren Metaphysik. Darin ist sie am nächsten mit dem Islam verwandt, wiewohl die­ser noch einen primitiven Unsterblichkeitsglauben hat. Die deutsche Herrgottreligion ist insofern auch ein Kind des deutschen Idealismus, der für sich wiederum ein Abkömmling der deutschen Häresie war. Mit Kant hat die Sache sofort einen Höhepunkt, mit Fichte, Hegel und kleineren Tra­banten geht es weiter. Metaphysiker waren Schel­ ling als Gnostiker und Schopenhauer als Inder­schüler. Beide sind aber ohne jeden Einfluß auf die deutsche Herrgottreligion. Als Ersatz für das oberste Prinzip der Religion[ welches die Liebe zu Gott ist] hat sie einen Begriff der wildgewor­denen Ehre, als Ersatz für die wahre Metaphysik, deren oberstes Prinzip das Sein ist und der Primat des Geistes, hat sie die infantilen mystischen Be­griffe» Blut und Boden «.

23. Juni

Wie arm wird in nicht langer Zeit der sein, des­

8*

IIS