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Tag- und Nachtbücher : 1939 - 1945 / Theodor Haecker ; mit einem Vorwort herausgegeben von Heinrich Wild
Entstehung
Seite
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die Christen nach dem Worte des heiligen Paulus Narren. Das ist eine brutale Feststellung eines fleischlichen Juden, der die Seligkeit ohne Ver­bindung mit dem Leibe sich nicht vorstellen kann. Wahrscheinlich ist er damit der Wirklichkeit des Seins am nächsten, näher als ein idealistischer Abendländer, der als Christ sich natürlich auch für betrogen und verloren erklären muß, wenn Christus nicht auferstanden ist. Er könnte dann aber, anders als der fleischliche Jude, sagen: Wenn Christus nicht auferstanden ist, dann ist zwar Gott nicht dann ist Christus Gott und auch wir sind Götter, die besser sind als alle, die für solche gehalten worden sind, und insofern sind wir doch nicht betrogen, denn was ist eine Lust von siebzig Jahren gegen diese unsere Idee? Oder er kann sagen: selbst wenn trotzdem noch Gott ist, so hat ihn Christus zuschanden gemacht, wodurch er mehr ist. Ach, wie verzweifelt das alles klingt, das jüdische sowohl wie das griechische Christus nicht auferstanden ist. Et resurrexit!

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» Führe uns nicht in Versuchung!« Ist es nicht eine trostlose, zur Verzweiflung führende Sache, daß alle Völker abgefallen sind oder abfallen: die Juden, die darum doch nicht ihre Auserwähltheit verlieren; die Franzosen , die das Magisterium be­halten; die Deutschen , die nicht die Eignung zum Imperium verlieren; die Italiener, die aber das Sacerdotium behalten werden. Alle wollen sie in naturalistischem Sinn ewig sein: der ewige Jude, la France éternelle, das ewige Deutschland , das ewige Rom der Liktoren, nicht des Petrus . In­fantilismen besonderer Art in einer Zeit, die so stolz ist auf ihre naturwissenschaftlichen Erkennt­

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