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Tag- und Nachtbücher : 1939 - 1945 / Theodor Haecker ; mit einem Vorwort herausgegeben von Heinrich Wild
Entstehung
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Aber man möge wohl bedenken, daß keine an­dere Qualität leichter nachzumachen ist, auch in ihrer Wirkung, als eben diese. Sie ist die denk­bar niedrigste, die Grenze sozusagen zwischen Quantität und Qualität.

Wissend, worum es geht, wissen wir nicht, wohin es geht. Aber warum sollte ihr Unternehmen nicht auch einen Haken haben, an dem es hängenbleibt, wenn ihr Kreuz allein schon deren vier hat: den Haken der Apostasie, den Haken der Lüge, den Haken der Gier, den Haken der Hybris.

Es scheint, daß Sieger und Besiegte sich daran berauschen, daß es die größte Schlacht der Welt­geschichte war. Nie ward mir der Primat der Quantität in diesem technischen Zeitalter klarer ad oculos demonstriert, nie freilich auch der Sinn der vanitas vanitatum deutlicher.

Die Stunde des Bösen, das ist die Stunde, da der Teufel mehr» Wunder« tut als Gott.

Verflucht sei jeder Wunsch, der das Auge trübt, die Zunge lähmt, die Hand hemmt, das Wahre zu sehen, zu sagen und zu schreiben.

Neben dem» Glauben« hat man die Wahl zwi­schen dem Unzulänglichen oder dem Absurden. Das bourgeoise Europa hat das Unzulängliche ge­wählt; ebenso ihre faschistischen Nachfolger. Die einzelnen Genies ziehen irgendeine Absurdität vor, meist gnostischer Herkunft oder Natur, wie Schelling und Scheler, oder privater Natur, wie Nietzsche [ Ewige Wiederkehr des Gleichen] oder Rilke[ Weltinnenraum]. Die Gesichter derer, die

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