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Tag- und Nachtbücher : 1939 - 1945 / Theodor Haecker ; mit einem Vorwort herausgegeben von Heinrich Wild
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sammentreffen natürlicher Ereignisse in bestimm- ten Stunden als»Zeichen« göttlicher Führung kam mir ins Gedächtnis, als es im Berichte hieß, daß das Wetter unsichtig war. So hätte heute der Kar- dinal, lebte er noch, predigen können: ein Engel glättete den Kanal, der sonst um diese Zeit im Sturme tobt, und breitete die Finsternis undurch- dringlichen Nebels gleichzeitig über das Meer. Und so wurden Zehntausende gerettet.

Zur deutschen Herrgottreligion: Ihre Priester sind mehr Iyrisch, pathetisch oder verwaltungstechnisch tätig als gerade theologisch. Man muß ihr Credo selber von Zeit zu Zeit sich explizieren. Die deutsche Herrgottreligion verheißt nicht ein ewi- ges Leben oder gar eine Auferstehung des Flei- sches. Das steht fest. Sie scheint aber zu ver- heißen den ewigen Bestand des deutschen Volkes. Das ist natürlich ein platter Unsinn. Dieser Pla- net hat einmal angefangen, so wird er auch ein- mal aufhören. Es ist erstaunlich, daß die Deut- schen, so stolz auf ihre Wissenschaft, einen solchen Unsinn hinnehmen. Ich kann etwas glauben, des- sen letzter Sinn mir verhüllt ist. Und das tue ich als Christ. Ich kann aber nicht etwas glauben, was überhaupt keinen Sinn hat. Der»deutsche Herrgott« verkündet, daß recht[Recht] ist, was dem deutschen Volke nützt. In zahllosen Reden und Schriften ist diese Verkündigung bereits nie- dergelegt. Das ist nun nicht so sinnlos und neu und originell wie der erste Satz. Das liegt durch- aus in der Linie des Menschlichen und Allzu- menschlichen überhaupt. Neu ist der Radikalis- mus, neu ist das Unmaß der Schamlosigkeit und der Heuchelei, mit denen der evident falsche

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