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Tag- und Nachtbücher : 1939 - 1945 / Theodor Haecker ; mit einem Vorwort herausgegeben von Heinrich Wild
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Immer wieder läßt man sich von der deutschen Tüchtigkeit und oberflächlichen Anständigkeit im­ponieren und vergißt für einen Augenblick die deutsche Herrgottreligion, die dahintersteht und ohne allen Zweifel ein Greuel ist vor Gott ! Ich martere ein ganzes Volk und schreie zum Him­mel und im Radio, wenn zwei der Meinigen ge­schunden werden[ vielleicht!- es kann auch eine Lüge sein], und ich glaube an mein Recht zu bei­dem[ das tut der Durchschnittsdeutsche!]. Hat es so etwas jemals schon gegeben? Ich glaube nicht. Es ist eine furchtbare Entartung, oder wäre es wirklich» unsere« Art? Dann büße jeder! Mea culpa!

Daß die Dinge zuerst den Klang haben und dann erst den Miẞklang- das ist das erste Prinzip meiner Philosophie. Also: daß das Gute vor dem Bösen ist, die Wahrheit vor der Lüge, das Schöne vor dem Häßlichen. Das ist meine ganze Philo­sophie.

Der» Terror<< ist eine Erfindung abgefallener Gei­ster. Er ist eine geistig- seelische Waffe des Bösen gegen Gute und Böse, eine Waffe also, die nicht, wie die leiblichen Kriegswaffen, in sich indifferent ist, sondern die selber böse ist. Sie darf von guten Menschen nicht gebraucht werden, sie kann von ihnen nicht gebraucht werden, weil sie sie selber böse macht. Der Terror ist neuerdings eine Er­findung anarchischer Geister. Sie ist die Waffe der Anarchisten, dieses Wort als Gegensatz ge­meint gegen die Hierarchisten. Denn das sind die beiden Pole: Anarchist gegen Hierarchist. Das Reich des Antichrist ist wesentlich anarchisch.

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