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Tag- und Nachtbücher : 1939 - 1945 / Theodor Haecker ; mit einem Vorwort herausgegeben von Heinrich Wild
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99
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hundert Jahren christlicher und adventistischer Geschichte nichts weiß, nichts wissen will und keineswegs begeistert werden kann, so weiß ich das, und es macht mich traurig. Wenn man mir aber sagt, daß unter ihr überhaupt keiner sei, der im Innersten davon berührt werde, dann werde ich heiter, denn das glaube ich nicht, denn das ist nicht wahr. Es gibt solche, und sie sind der Adel der deutschen Jugend. Sie werden unter einer Wolke leben, wie ich auch. Sie werden aber im Glanz eines unsterblichen Lichtes stehen, wie ich auch. Und sie werden es wissen, wie ich auch.

Ich werde das Staunen über das Staunen nicht los. Warum das Staunen? Setzt es nicht ein Fremd- sein des Geistes, der staunt, gegenüber dem Sein, über das er staunt, voraus? Auch der gewöhnliche Mensch kann in Staunen fallen über Dinge, die ihm fremd und ungewohnt sind; aber er staunt nicht über das Alltägliche und Gewohnte, mit ihm ist er verwachsen. Die Philosophie beginnt mit dem Staunen über die alltäglichen und ge- wohnten Dinge. Aber setzt das nicht eine Kluft und Fremdheit zwischen dem Sein, über das ich staune, und mir, der staunt? Mir! Wer und was ist denn das? Mir? Gehöre ich nicht auch zum Sein? Ja, worüber staune ich denn schließlich mehr äls gerade über- mich? Wer ist das denn dann, der staunt? Ein Gefühl des Schwindels erfaßt mich. Staunt das Sein über das Sein? Staunt schließlich Gott über Gott ? Ach, das sind nur Sprachspiegelungen der Ohnmacht unseres Ver- Standes gegenüber der Unbegreiflichkeit des Seins.

Replik:»Nie wirst du des Staunens müde I=

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