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keit selber sein soll! Aber Geschichte wird von Menschen geschrieben, die entweder die Wahrheit sagen oder lügen, gerecht sind oder ungerecht. Darum ist die Geschichte, rein menschlich, ohne göttliche Führung, etwas höchst Zweifelhaftes. Das Evangelium berichtet mit absoluter Sachlichkeit von dem Verrat des Judas und der Verleugnung des Petrus . Das ist in einer rein menschlichen Partei ausgeschlossen. Die heutige Geschichte, eine Episode, hoffen wir, lügt zweifellos mehr, als es jemals der Fall war. Hätte Gott nicht doch mehr Wege und Möglichkeiten, wäre die Verzweiflung heute ein verständlicher Ausweg, vorausgesetzt immer, daß es dem Menschen auch um Wahrheit zu tun ist. Das schmerzlichste Erlebnis des Wahrheitsuchenden: daß den meisten Menschen die Wahrheit als Wahrheit ungefähr das Gleichgültigste ist. Aber das ist nun doch wieder nicht richtig. Sie wollen ja doch wieder die Wahrheit, aber sie scheuen die Mühe um sie. Darum glauben sie die Lügen, die man ihnen, nicht als Lügen, sondern als Wahrheiten vorsetzt. Das ist bequemer.
À propos Kompromißlosigkeit des Deutschen . Ich glaube nicht daran. Wenigstens nicht an Kompromißlosigkeit in der Entwicklung einer klaren Idee.» Klar, das ist es. Hier liegt mein Haupteinwand. Zur Kompromißlosigkeit gehört Klarheit, und die fehlt dem deutschen Geist, außer in der relativen Flachheit der Technik. Nein, hier liegt eine Verwechslung vor. Was der Deutsche in eminentem, selbstmörderischem Maße hat, das ist: Eigensinn. Die traurige Geschichte der Reformation ist voll davon. Und Michael Kohlhaas ist
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