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Tag- und Nachtbücher : 1939 - 1945 / Theodor Haecker ; mit einem Vorwort herausgegeben von Heinrich Wild
Entstehung
Seite
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Der Schwung und der Kampfgeist der deutschen Soldaten, als sie Holland und Belgien überrann- ten, sei nur ZU vergleichen mit der Wucht der französischen Soldaten der Revolution, die ganz Europa überrannten und die Ideen der französi- schen Revolution verbreiteten. Diese seien heute vergreist, jung seien die Ideen des Nationalsozia- lismus. Es ist seltsam, was alles gesagt werden kann in solchen Zeiten, und es scheint, daß es, wenig- stens in Beziehung auf die Wahrheit, vollständig gleichgültig ist, was gesagt wird. Sehen wir zu: die Ideen der französischen Revolution waren! Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Das waren dem Christentum gestohlene und teilweise ver- giftete und verfälschte Ideen. Aber sie waren ar sich, mit Recht und durchaus verständlich und menschlich, begeisternde Ideen. Was sind nun die Ideen des Nationalsozialismus? Ohne allen Zweifel genau das Gegenteil. U ngleichheit, nicht Gleichheit, denn die ganze Bewegung geht aus von einem Essay Gobineaus über die Ungleich- heit der Rassen. Unfreiheit, nicht Freiheit, denn einer, der Führer, bestimmt alles, auch die Wis- senschaft, die Kunst und vor allem das Erste im Menschen, die Religion und den Glauben. Un- brüderlichkeit, nicht Brüderlichkeit, denn es gibt eine Rasse, die allen andern überlegen ist und diesen jedenfalls keine Brüderlichkeit erweisen kann, es gibt sogar Völker, wie die Juden und die Polen , die rassenmäßig gegenüber den» Ariern« Untermenschen sind, also jedenfalls keine Brüder. Das sind also die Ideen, die wir den Völkern und der Welt bringen. Sie werden vor Begeisterung sich nicht mehr auskennen. Aber auch, daß unsere

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