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Tag- und Nachtbücher : 1939 - 1945 / Theodor Haecker ; mit einem Vorwort herausgegeben von Heinrich Wild
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staten diese Aufgabe wieder zu übernehmen haben mit allen Folgen für sie, wir wissen es nicht.

Replik: Wir müssen jeder Eventualität ins Auge sehen können. Sagen, wenn dieses oder jenes ein­trifft, verzweifle ich, ist sicherlich kein christlicher Standpunkt. Wohl wußte Kierkegaard sehr gut, daß das Nichtverzweifeln nicht allein im Wollen des Menschen liegt, sondern in der Gnade Gottes. Das ist gewiß. Also ist das Gebet immer die Hauptwaffe.

Glaubte nicht mancher Gläubige des 17. Jahr­hunderts, das Heil der Kirche stehe und falle mit dem Schicksal Spaniens ? Und verzweifelte viel­leicht nicht mancher, als die Armada zerschlagen wurde und das häretische England triumphierte? Das ist nicht zu vergleichen mit dem, was jetzt geschieht, so wenig, wie die Besiegung Napoleons an Bedeutung zu vergleichen wäre mit der Be­siegung Hitlers . Das sind keine Vergleiche. Man muß viel Größeres heranziehen. Im Altertum den Sieg der Griechen über die Perser, den Sieg der Römer über die Karthager[ der Sieg der Rö­mer über die Griechen ist sekundär, die Haupt­entscheidung war gefallen], in der christlichen Zeit aber den Sieg des christlichen Abendlandes auf den katalaunischen Feldern über die Hunnen. Keine andere Analogie hält Stich. Es ist kein Krieg mehr innerhalb der Religion des Abend­landes. Es ist ein Krieg gegen die Religion des Abendlandes auf der einen Seite, auf der deut­schen nämlich.- Ach, mein Freund, wissen wir das so genau? Weiß nicht auch das nur Gott?

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