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es formulieren? Es ist nicht zu formulieren, nicht anders als prophetisch. Übrigens, solange eine Eroberung friedlich geschieht, schafft dieses Recht zu erobern keine Schwierigkeiten; denn es geschieht kein Unrecht, und wo kein Unrecht ist, ist eben Recht. Erst wenn der Krieg dazu kommt, treten die Fragen auf, die der Mensch allein nicht beantworten kann. Den alten Juden wurde von Gott das Recht gegeben, Palästina zu erobern und Völker zu vernichten oder zu entrechten. Wir dürfen annehmen, daß diese Völker entartet waren und ihr Recht verwirkt hatten. Wir dürfen das wohl auch von den Inkas in Mexiko annehmen oder sogar von Karthago oder den Abessiniern heute. Aber nicht immer hält das Stich. Freilich ist ein großer Krieg wohl immer eine Art von Gottesgericht. Das Recht des Siegers besteht darin, daß er seinen Willen aufzwingt. Das scheint rein formal und absolut» sein Recht zu sein, gleichgültig, ob sein Wille nun gerecht oder ungerecht ist.
2. Mai
Kierkegaards Kategorie des Plötzlichen kam mir plötzlich ins Gedächtnis, heute, im Garten. Urplötzlich, wie ein Blitz, flog der große schwarze Vogel[ eine Amsel] in den strahlend weißen Blütenbusch, in den ich denkend schon minutenlang sah. Und nun war plötzlich nur noch Unruhe und Verwirrung mein Schauen und Denken.
Der Mensch kann es üben, kann es sich angewöhnen, daß er sich nicht mehr belügt, daß er aufrichtig ist gegen sich selber. Er kann es vielleicht schließlich dazu bringen, daß er sich selber so
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