Gabe gegeben, Stimmen zu erkennen?[ Karl Kraus besaß sie in eminentem Maße.] Und ob sie gerade den Historikern gegeben ist? Überschätze sie nicht! In der Gegenwart scheint die Gabe nicht weit verbreitet zu sein. Denn wie hätte sonst das alles geschehen können?
Wohl wahr, doch kann und wird die spezifische Krankheit, die, auf einer Verkehrung der hierarchischen Ordnung beruhend, der Grund für das Auftreten und den Erfolg und das Nicht- Erkennen dieser Stimmen war- ich sage, diese spezifische Krankheit kann und wird verschwinden[ es kann freilich eine andere an ihre Stelle treten], und dann werden plötzlich alle Menschen[ also auch die Historiker] hören die furchtbare Krankheit. und Verworfenheit der Stimmen, ihre Leere, ihre Besessenheit das ist kein Widerspruch-, die spirituale Dummheit und Stummheit in der Maske des Gebrülls. Glaube nur, es ist ein Akt der Vorsehung, daß es die Schallplatte und die Wachsplatte gibt.
Es gibt ein Mitleid ohne Liebe. Es ist wahrlich nicht viel wert und kann mit Niedrigkeit, Verworfenheit gepaart sein. Das» goldne Münchner Herz für ein Hunderl schlägt am lautesten in Megären. Es gibt aber auch Liebe ohne» Mitleid« im üblichen Sinn, mit physischen Leiden. Solche Menschen können für kalt, hart, ja grausam gelten, wiewohl sie mit dem spiritualen Elend höchstes Mitleid haben können. Richtig ist das natürlich auch nicht. Das Maß ist für den Menschen das Schwerste.
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