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Tag- und Nachtbücher : 1939 - 1945 / Theodor Haecker ; mit einem Vorwort herausgegeben von Heinrich Wild
Entstehung
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in Finsternis gehüllt. Denn es geschehen Dinge, auf denen der Segen Gottes nicht ruhen kann.

Replik:» Es läuft also darauf hinaus, daß Sie an Gott nur glauben, weil Sie überzeugt sind, daß es den Teufel gibt und daß er Macht hat.<<- Ja, so ist es, wenn auch Ihre Worte etwas überspitzt sind. In der Tat, ich würde die Existenz Gottes leugnen, wollte man nur sagen, daß es böse Gei­ster, unendlich mächtiger als der Mensch, nicht gibt und daß all das furchtbare Elend der Mensch­heit nur in ihrer Sündhaftigkeit und in der Un­vollkommenheit der Natur liegt.

Mit dem Staunen beginnt das Philosophieren. Wohl, aber es endet auch damit. Ist dieses Stau­nen nicht ein Zeichen dafür, daß der Geist des Menschen ein kreatürliches Sein ist? Denn warum sollte ein Sein an sich staunen über sich?

Es ist anscheinend das reflexive Denken und Er­kennen, das eher zu Zweifeln an oder zu Em­pörung gegen Gott führt, als das unmittelbare. Ich habe in meinem Leben viel gelitten, körper­lich und seelisch. Zu einem Zweifel an der Ge­rechtigkeit Gottes und zu einem Versuch der Em­pörung hat das nur einmal geführt, und auch da hielt mich die Barmherzigkeit Gottes, so daß ich statt des Fluches, der mir auf den Lippen lag, den Segen Christi stammelte: Selig bist du, Si­mon, Jonas' Sohn, denn du glaubst. Ich erinnere mich sehr wohl der Nacht und des Zimmers. Aber es kam zu diesem Außersten auch nur durch die Mitwirkung eines reflexiven Elementes. Die un­erträglichen Schmerzen[ ich hatte damals noch

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