Spur Tabakrauch in ihr gewittert hätte. ,, Wir sind frei!" Das war der Gedanke, von dem jeder erfüllt war, ohne ihn zu denken. Dieser Gedanke formte sich nicht in Worten, aber keiner war unter uns, der nicht den festen Entschluß bei sich gefaßt hätte, ihn zu verwirklichen so oder so! Was konnten uns diese Burschen nun noch antun? Schließlich mußten sie froh sein, die Zeugen für das, was in den letzten Wochen in diesem Hause vor sich gegangen war, so weit wie möglich von sich wegzuschieben; denn alle diese Menschen einfach totschlagen, das ging doch nun wirklich nicht mehr. Dazu stand die Macht, die die ihre ablösen würde, zu dicht vor den Toren! Daß man auf einem improvisierten Transport in ein neues Konzentrationslager würde fliehen können, das stand für jeden von uns fest. Wahrscheinlich war die Polizei sogar froh, wenn sie die Last der Gefangenen, die zum größten Teile ohne gesetzliche Grundlage hier festgehalten wurden, auf diese einfache Weise los wurde!
Rasselnd wurden nun auf der ganzen Front der Halle die Schlüssel in die Zellenschlösser gestoßen.
,, Raustreten!"
Der Zug formierte sich in langer Viererreihe erneut. Schnabel stand neben dem Schreibtische am Eingang.
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,, Mal Ruhe! Herhören!" rief er mit Aufgebot aller seiner Stimmittel. ,, Ihr braucht keine Sorge zu haben. Es geschieht euch nichts, wenn ihr keinen Fluchtversuch macht. Ihr werdet bald frei sein. Daß keiner versucht, aus dem Zuge auszubrechen! Ich habe Anweisung gegeben, sofort zu schießen!" Merkwürdig: Jeder von uns empfand diese Rede als Aufforderung zur Flucht! Ein gutes Dutzend Polizeier, bewaffnet mit Maschinenpistolen, an kurzer Leine riesige Hunde führend, begleitete den Zug von etwa hundertsiebzig Gefangenen. Es ging hinaus in eine Alarmnacht, durch die Straßen einer zerstörten Stadt, die durch Häusertrümmer blockiert waren. Daß sich unter diesen Umständen der Zug immer weiter auseinanderziehen würde, das war einfach unvermeidlich. Die ver hältnismäßig geringe Zahl von Beamten konnte gar nicht in der Lage sein, ihn zusammenzuhalten...
Dann tat sich die Türe auf, und der Zug setzte sich langsam in Bewegung. Jeder Gefangene trug sein Gepäck. Manche hatten zwei Koffer, andere eine schwere Holzkiste und einen
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