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Knast : Schatten und Gestalten einer Leidenszeit / von Johannes Berbig
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terstrichen. Der Herr Regierungsmedizinalrat heißt Dr. Dr. Mae­nicke... Dieses Gutachten ging an die Zuchthausverwaltung mit einem Begleitschreiben, aus dem zu entnehmen ist, daß der Herr Regierungsmedizinalrat ein zweites Gutachten über diese Arbeit abgegeben hat, das noch ein paar Worte mehr ent­halten haben muß. In dem Begleitschreiben des Gewerbeamtes heißt es nämlich: Nach Mitteilung des Staatlichen Gewerbe­amtes sind ernste Erkrankungen außer evtl. chronische Haut­schäden mit möglichem Uebergang in Hautkrebs durch die Ein­wirkungen der Teerdämpfe nicht zu befürchten. Zum Schutze der Hände wird die Verwendung der, Beo- Arbeitsschutzsalbe' der Firma Beo Petri u. Co. in Wiesbaden- Dotzheim dringend empfohlen, die für solche Fälle besonders geeignet sein dürfte."

Ist es nicht wirklich so? Die Spiele der Erwachsenen nennt man Geschäfte. Nur daß die Erwachsenen nicht mehr mit Holzpferdchen und Blechkanonen spielen. Diesmal spie­len sie mit der Haut der Gefangenen. Die Diplomaten spielen mit dem Blutstrom der Völker. Auch dieses Spiel verläuft im großen ganzen nach den gleichen Spielregeln.

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Das ist auch so eine Sache, auf die der Negus in meiner Abschiedsaudienz anspielte: die Sache mit Polackenschulz in Bernburg.

Der Tiefbauunternehmer Bernhard Schulz in Bernburg hat seit Jahren etwa hundert Gefangene gemietet. Er bringt sie in selbsterrichteten Baracken unter und verpflegt sie auch. Die Aufsicht stellt das Zuchthaus. Er stellt in riesigen Mahlmühlen irgend eine Masse her, die er an ein bekanntes Großunterneh men in Berlin liefert. Wozu sie gut ist, weiß niemand genau... Die Baracken sind seinerzeit von der Berliner Firma finan­ziert worden. Schon vor dem Kriege. Sie sind längst amorti siert. Die Verpflegung kostet pro Mann und Tag siebenund­vierzig Pfennige. Ich weiß das zufällig genau, denn ich habe als Schreiber des Wirtschaftsverwalters die reichlich einfache Buchführung eingesehen. Von den Aufwendungen für das Wachtpersonal entfällt ein Anteil von siebzehn Pfennigen pro Tag auf den Gefangenen. Für die Arbeitsleistung des Gefan­genen zahlt Schulz an die Justizklasse zu Naumburg pro

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