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Knast : Schatten und Gestalten einer Leidenszeit / von Johannes Berbig
Entstehung
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,, Unanständigen" Hitlerscher Prägung, der sich gegen den Seelenterror des Systems auflehnt, in die Gemeinschaft von Spitzbuben und Gewaltverbrechern zu bringen unter denen

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es im übrigen ganz prachtvolle Kerle gab! ihn aller hy gienischen Möglichkeiten zu berauben, um ihn dann als, Dreck­schwein beschimpfen zu können, seine Gesundheit zu unter­graben und seinen Lebenswillen auszuhöhlen: dies wurde zum Prinzip des Strafvollzugs, der bereits im Untersuchungs­gefängnis begann, im Zuchthaus sich fortsetzte, um im, Ver nichtungslager zu enden.( So brutal offenherzig war man in dieser Zeit, diese letzte Vokabel in den Sprachschatz der Dro­hungen aufzunehmen, mit denen man gelegentlich die Ge­fangenen zu schrecken suchte!) Aber der Mensch ist nun einmal das zäheste Geschöpf dieser im Grunde durchaus nicht miẞratenen Schöpfung; er läßt sich nicht so leicht unter­kriegen, und wenn er für eine sittliche Idee leidet gleich gar nicht. Zudem: das Zuchthaus dieser Tage war etwas anderes geworden! Die sogenannten Kriminellen standen, sie mochten wollen oder nicht wollen, stark unter dem Einfluß der Po litischen. Sie fühlten sich innerlich gehoben dadurch, daß sie mit im Sinne des Strafgesetzes zweifellos Unschuldigen das gleiche Schicksal trugen. Sie begriffen, daß Mittelmäßigkeit, wo sie mit wenig Kunst und einer genügenden Portion Roheit die Macht erringt und behauptet, dem Geiste mißtraut und ver suchen muß, ihn mit allen Mitteln zu vernichten. Sie lagen auf einem Strohsack mit Männern, die ihr Schicksal stolz und unbekümmert trugen, die hocherhobenen Hauptes und unge­duckt einherschritten, die verächtlich lachten, wenn sie von einem hergelaufenen uniformierten Wicht beschimpft und en canaille behandelt wurden. Sie hörten, was man sich wäh rend des täglichen Rundganges im kleinen Kreise zuflüsterte: , Nicht lange mehr!'..., Der Druck der Lüge weicht von den Gehirnen!', Selbst vor den Augen dieser Wachtmeister­strolche fällt der Schleier schon versucht man, durch wis derliche Freundlichkeit frühere Schande vergessen zu machen!" .., Stählt eure Herzen für den Tag der Freiheit! Dann wird Gnade Verbrechen sein an der Zukunft unseres Volkes!' so flüstern sie einander zu und manche sprechen eine noch härtere Sprache.

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