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Knast : Schatten und Gestalten einer Leidenszeit / von Johannes Berbig
Entstehung
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schon recht: Es war wirklich kein Buch nach dem Herzen der Nazis!

Die Aufnahme dieses Buches durch die nazistische Kritik war dementsprechend. Es wurde entweder kühl registriert oder aber als, pazifistisch' und, unklar in der Haltung abgelehnt. Natürlich wurde es auch nicht in die Liste der von der Partei geförderten Bücher aufgenommen. Als es nun an die Reinigung des deutschen Schrifttums ging, errichtete auch der Berliner Magistrat eine sogenannte, Prüfstelle'. Ich habe nie erfahren können, wer für diese Stelle verantwortlich zeichnete. Fest steht dies eine unbedingt, daß von dieser Stelle als, nazistisch' plakatierte Bücher vielfach nicht gelesen worden sind. So kam eines Tages mein Freund Franz Adam Beyerlein , der Autor des Romans, Jena oder Sedan', zu mir und erzählte mir lächelnd, daß dieses sein Werk, das als Dokument des Anti­militarismus einen Welterfolg erzielt hatte, von der Prüfstelle, des Berliner Magistrats als, militaristisch auf die Liste der verbotenen Bücher gesetzt worden sei.

,, Haben Sie den Leuten geschrieben, daß sie Hornochsen sind?" fragte ich ihn. ,, Nein", antwortete er friedlich. ,, Sie würden es mir bestimmt nicht glauben. Dort sitzt vielleicht ein Mann, der früher selber gerne einmal Reserveoffizier ge­worden wäre, und da ihm dies vorbeigelungen ist, findet er alles, was nicht in den Kreis seiner heutigen Meinungen ein­zubeziehen ist ,, völkisch' oder, militaristisch"."

Beyerlein muß unter seinen himmlischen Vorfahren einen ahnungsvollen Engel haben: wenige Tage später las ich in der Liste der auszuscheidenden Bücher der Prüfstelle beim Berliner Magistrat, daß mein Buch als, völkisch' zu verbannen sei, und mit ihr meine gesamte literarische Produktion'. Man bediente sich in Berlin damals einer Sprache, die wirtschaftliche Kern­begriffe auf Kunst und Literatur übertrug. Für diese Stelle hatte wohl auch Franz Schubert einmal eine Unvollendete .produziert.

Ich lachte und unternahm nichts. Was hätte ich auch mit einem solchen Urteil, das gedruckt vorlag, anfangen sollen? Die Gutachten dieser Zeit waren nun einmal gefrorene Schlag­worte. Aber eben deshalb, weil dieses Urteil der Prüfstelle des Berliner Magistrats im Grunde gar nichts bedeutete, und über­dies durch ein vorgeordnetes Gremium bald darnach außer

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