Lorenz ging mit verschlossenem Gesicht in der Zelle auf und ab.
,, Das bezieht sich nich darauf. Ich war doch im Warthegau , un da gab's doch noch alles. Nadierlich hamm mir ooch mal een gehoben, un das is meinem Ortsgruppenleiter, was mei Bürgermeister is, gemeldet worden."
,, Slivowitz?" fragte Kroll.
,, Es gab so en Ostdeutschen. Für Grog bei zwanzig Grad Kälte änne sehr wärmende Sache."
,, Und nachher hast' geschwätzt!" behauptete Kroll mit Nachdruck.
,, Gee Wort!" versicherte Lorenz.
Also doch ein Säufer! dachte ich...
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In der 93 wohnte seit ein paar Tagen ein Herr von Beust. Rundfunkverbrecher. In der 96 ein Herr von Alvensleben, ebenfalls beschuldigt, Meldungen fremder Sender weitergegeben zu haben. Beim Rasieren konnte ich ein paar Worte mit den beiden wechseln.
,, Anklage schon erhoben?" fragte ich leise.
,, Nein. Wir bleiben hier, bis der Laden zusammenbricht." ,, Wann?"
,, Im Herbst. Bestimmt keinen Winter mehr."
,, Und dann?"
,, Es wird schlimmer, als man auch nur ahnen kann. Wir verlieren alles; müssen dankbar sein, wenn uns auch nur das. nackte Leben bleibt."
,, Alle Leiden nehmen ein Ende", sagte eine tiefe, wohl tönende Stimme neben mir. Es war die des griechisch- orthodoxen Geistlichen. ,, Es kommt alles ganz anders. Und spä= ter! Hoffen Sie nicht auf dieses Jahr. Es dauert länger. Noch ist die Zeit nicht erfüllet, von der geschrieben steht: Im Frühjahr fünfundvierzig werden Russen in diesem Hause kommandieren nicht früher!"
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,, Das wären noch zwei Jahre", sagte Alvensleben. ,, Daran kann ich unmöglich glauben weil ich es einfach nicht glauben will!"
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