Vierzehn Tage mochten so vergangen sein, als ich abermals , vor Gericht geholt wurde. Im Geschäftszimmer des Sondergerichts erwartete mich mein Anwalt.
,, Nun weiß ich endlich, was los ist", sagte Dr. Burck nach herzlicher Begrüßung.„ Ich war beim Staatsanwalt, und er hat mich einen flüchtigen Blick in die Akten tun lassen. Wir sind draußen inzwischen auch nicht müßig gewesen und haben alles zusammengetragen, was Ihre Haltung zum Staate ins erwünschte Licht rückt. Sie geben an, der Zeuge Fink habe sich erzkatholisch gegeben und dabei einiges gesagt, was mit sei ner HJ.- Ehrennadel nicht in Einklang zu bringen ist. Aus den Akten geht hervor, daß er evangelisch ist!"
Ich war einigermaßen erstaunt.
,, Aber er hat doch seinen katholischen Glauben ,, Verlassen Sie sich drauf, er ist evangelisch!"
,, Dann hat er eben diese Rolle gespielt, um damit im schwächlich protestantischen Leipzig einen schmackhaften Bis sen an seine Angel zu bringen."
,, Das glaube ich ja auch. Aber der Staatsanwalt ist zunächst geneigt, Ihnen die ganze katholische Geschichte nicht zu glauben."
,, Ja, die muß er aber doch wohl glauben. Der Zeuge hat schon in Anwesenheit meiner Frau bei unserm ersten Zu sammentreffen seine katholische Haltung betont."
N
Das wäre von Wichtigkeit; Ihre Frau wird das bezeugen?" ,, Ich nehme an, daß sie sich dieser Wendung erinnert." ,, Das wäre gut. Inzwischen habe ich auch einige Ihrer Bücher gelesen. Sie lesen sich übrigens gut. Ich muß Ihnen da eine Schmeichelei sagen. Darin ist ja auch einiges zu finden, was zum Beweise für Ihre Haltung herbeigezogen werden könnte wenn freilich im großen und ganzen eine auf Völkerversöhnung und friedlichen Ausgleich einander entgegenstehender nationalistischer Interessen hinwirkende Tendenz nicht zu verkennen ist. Die Sache sieht jetzt schon ein wenig freundlicher aus. Sie haben da auch gelegentlich Briefe an Ihre Söhne geschrieben, aus denen eine extrem national sozialistische Haltung ersichtlich wird. Sie sind Goldes wert." Er zwinkerte mich dazu listig aus den Augenwinkeln an... Diese Briefe! In lustiger Laune geschrieben stand da etwa drin: ,, Tante Jenny hat unserm geliebten Führer einen Altar
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