sammen im Café Felsche gesessen. Sie kannten den Soldaten nicht?"
,, Nein."
,, Aber Sie haben sich mit ihm unterhalten?"
Ja."
,, Können Sie sich auf den Inhalt dieses Gespräches be sinnen?"
Ich überlegte ruhig. Worüber hatten wir eigentlich gesprochen? Der Soldat, ein Unteroffizier, hatte erzählt, daß er mehrfach verwundet worden sei, daß er noch drei Granat splitter im Leibe habe und deshalb in den nächsten Tagen erneut operiert werde, und daß er dann an die Front zurückkehren werde. Früher habe er einmal Chemie studiert, aber der Krieg habe alle seine Zukunftspläne zerschlagen. An eine Fortsetzung des Studiums nach dem Kriege sei wohl nicht zu denken; es werde ohnehin noch Jahre dauern, ehe wieder Frieden sei, zum mindesten noch zwei, und seinem alten Herrn könne er nicht mehr auf der Tasche liegen. Ich hatte zu allea dem nicht viel, oder besser, gar nichts gesagt, obwohl meine Ansichten über die Dauer des Krieges von denen des Soldaten abwichen. Ich bin nicht für Gespräche mit unbekannten Leuten im Kaffeehause. Das alles also sagte ich dem Kommissar. ,, Sonst ist nichts weiter gesprochen worden?"
,, Ja, gewiß er sprach davon, daß er aus Münster stamme, daß er katholisch sei, und daß in seiner Heimat alle Menschen mit unwandelbarer Treue am Evangelium hingen." ,, Sonst nichts?"
-
,, Ich wüßte im Augenblick wirklich nicht Sie müßten meine Frau fragen, die mit am Tische gesessen hat."
,, Das können wir ja tun. Sie haben mit demselben Soldaten nun eine zweite Unterredung gehabt, und zwar am 25. November. Abermals im Café Felsche. Diesmal unter vier Augen. Berichten Sie, was gesprochen wurde"
Richtig, ich hatte den jungen Mann noch einmal bei Felsche getroffen. In der Abendstunde. Ich hatte auf einen Freund gewartet, der aber nicht erschienen war. Eigentlich war ich ein wenig ärgerlich auf diesen Unteroffizier gewesen. So war das zugegangen:
Ich setzte mich an meinen gewohnten Tisch und bemerkte plötzlich, daß neben mir der Soldat saß, den ich kürzlich hier
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