Erhaltung der kleinen Familie, möchte sie vor neuer Unruhe, neuen Sorgen bewahren.
Eines Abends, er ist wieder spät nach Hause gekommen und hat sich verdrießlich und wortlos neben sie gelegt- packt sie seinen Kopf, bedeckt ihn mit Küssen und Tränen und bittet ihn, fleht ihn an, sich und seine Familie nicht wieder in Gefahr zu bringen, sich nicht mit den Genossen einzulassen, immer daran zu denken, was er ausgestanden hat.
Wenn du wieder dahinkommst... ich ertrage es nicht... ich gehe mit dem Kleinen aus dem Leben... Ein zweites Mal kommst du nicht zurück."
Kreibel umfaßt seine bebende, schluchzende Frau. Er erwidert nichts, streicht ihr die Haare aus dem Gesicht und drückt sie an sich.
,, Warum verheimlichst du mir deine Sorgen?"
Du brauchst keine Angst zu haben, Ilse, ich laß meine Hände davon; ich bin ein gebranntes Kind." Kreibel glaubt in diesem Augenblick selber an seine Worte." Was quälst du dich? Warum machst du dir grundlos Sorgen?"
,, Du... du bist so seltsam. Bist immer finster. Sprichst nicht. Kommst spät in der Nacht nach Hause. Glaubst du, mir fällt dein verändertes Wesen nicht auf?"
,, Es ist wahr; ich denk' zu viel an die Genossen."
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,, Denk' doch einmal auch an dich. Einmal. Und dann auch an uns. Das ist doch so kein Leben."
Kreibel geht am Osterbek- Kanal. Ihm entgegen kommt ein Mann, dessen Gestalt und Gang er zu kennen glaubt. Der Fremde blickt auf, stutzt und macht dann einen hastigen Schritt auf Kreibel zu.
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