Ja, Torsten... Aber nicht alle Kommunisten sind wie Heinrich Torsten. Nicht alle tragen solche Liebe zur Partei in ihrem Herzen. Nicht alle haben diesen unerschütterlichen Glauben an den Sieg der Arbeiterklasse. Nicht alle sind so hart, so selbstlos.
Was würde Torsten über ihn sagen? Der Kreibel ist von den Faschisten gebrochen worden. Bei Kreibel haben sie erreicht, was sie wollten: sie haben ihn abgeschreckt, haben ihn eingeschüchtert.
Aber Torsten würde auch sagen: Ihr, Genossen in der Freiheit, die ihr Dunkelhaft und Einzelhaft nicht kennt, urteilt nicht leicht und schnell über Kreibel. Nicht jeder Kommunist besitzt eine gepanzerte Seele.
Er würde ihnen sagen: Nicht alle, die schwach wurden, sind unsere Feinde. Bedenkt, daß diese Genossen unter dem Zwiespalt ihres Lebens mehr leiden als die Robusten, die Bärenstarken; als die, die schnell vergessen können, die von keinen Zwangsvorstellungen gemartert werden.
Torsten ist klug. Ein Mensch, der tiefer blickt. Er wird keine schnellen Werturteile fällen. Er wird auch ihn, auch sein Verhalten begreifen. Aber wird er es billigen?
Nein! Das nie. Dazu ist er gegen sich selbst zu hart. Dazu verlangt er von sich selbst und auch von anderen zu viel. Dazu ist er ein zu aktiver Revolutionär. Billigen wird er so ein Verhalten nie.
An solchen Abenden kommt Kreibel zerschlagen, zerknirscht, den heißen Kopf voller Selbstanklagen nach Hause.
Ilse sieht, wie der Mann ihr langsam wieder entgleitet. Sie spürt die Unruhe, die in ihm steckt, ahnt, daß die Partei ihn wieder zu sich zieht. Und sie kämpft um ihren Mann, kämpft um die
349


