,, Du siehst", flüstert Regers wieder ,,, nun habe auch ich end­lich den richtigen Weg gefunden. Hat verdammt lange ge­dauert, denkst du, was?"

Kreibel schüttelt lächelnd den Kopf.

,, Ich bin mit meiner ganzen Gruppe übergetreten. Nur ein einziger ist nicht mitgegangen. Und auch der nicht aus poli­tischer Meinungsverschiedenheit, sondern aus Angst. Wir ar­beiten sehr gut. Ich habe dir was mitgebracht, damit du mal siehst, was gemacht wird. Die Dinger gehen uns unter den Händen weg wie warme Semmeln."

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Die nächsten Abende läuft Kreibel bis spät in die Nacht durch die einsamen, stillen Straßen. Er hält es im Hause nicht mehr aus, das Radio fällt ihm auf die Nerven, zum Lesen fehlt ihm die Ruhe, das triste Hocken im Zimmer ist ihm unerträglich. Die Nächte des Aprils sind klar und frisch. Stundenlang sitzt er auf den Bänken und träumt wie er es oft in seiner Zelle getan hat in das glitzernde Sternengewimmel über sich. Aber wenn er auch über Zahlen und Vergleiche grübelt, die er früher bei Bürgel gelesen hat, und sich die Unergründlich­keit dieser rätselhaften Weltgebilde vergegenwärtigt seine Gedanken und Empfindungen entgleiten ihm immer wieder. Er mag auf einer einsamen Bank am Kanal sitzen und den Sternenhimmel bewundern, seine Gedanken sind plötzlich doch bei Torsten.

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Torsten!... Er wird immer noch allein in den vier kalten Wänden einer Zelle stecken. Wird seinen Nachbarn Mut machen, wird ihnen raten: Wasche dich morgens und abends kalt ab. Treibe Gymnastik. Die erste Pflicht eines gefangenen Kommunisten ist: Gesundheit. Stahlharte Nerven...

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