Sie stehen beide unter der Dusche. Um sie herum sind lärmende Schulkinder. Otto Regers flüstert:
,, Ich bin beauftragt, die Verbindung mit dir herzustellen. Erst wollte man mich nicht recht nehmen, als ich ihnen aber erzählte, daß wir uns aus der Arbeiterjugend kennen, war man einverstanden."
,, Du bist also jetzt bei uns?"
Ja natürlich, schon fast ein Jahr. Gleich nach den Maiereignissen des vorigen Jahres. Also, hör mal zu." Regers rückt noch näher an Kreibel, hält aber die Arme nach oben und läßt über die Hände das heiße Wasser auf seinen Nacken gleiten. ,, Man will wissen, wie lange du noch auszuspannen denkst. Die Partei braucht jeden. Sie haben was mit dir vor."
Kreibel kann diesem ehemaligen Sozialdemokraten unmöglich erklären, daß er sich noch für lange Zeit von jeder Parteiarbeit zurückzuhalten gedenke; er ist etwas verwirrt und gibt eine ausweichende Antwort.
,, Man muß mir erst einmal sagen, für welche Arbeit ich vorgesehen bin."
,, Das weiß ich selber nicht. Im Prinzip bist du also einverstanden?"
,, Das ist doch selbstverständlich."
Anderes, Walter, hat man eigentlich von dir auch nicht erwartet. Und doch, man erlebt Überraschungen. Es gibt welche, die früher tüchtige Genossen gewesen sein sollen, aber heute der Partei mit einem glatten Nein kommen."
Kreibel staunt. Dieser Otto Regers spricht, als sei er seit einem Jahrzehnt Kommunist. Und er spricht mit einer solchen Selbstverständlichkeit und einem solchen Selbstvertrauen, wie es nicht einmal Kreibel aufbringen würde. In dem Jahr seiner Haft hat sich doch manches verändert.
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