In den Einzelzellen werden sie durch die Gitterquadrate in den Himmel sehen. Der Frühling liegt in der Luft. Die Tage werden milder. In der Haut beginnt es zu prickeln.

Und im Keller? In den Dunkelzellen? Dort liegen sie in dauern­der Nacht und phantasieren von Licht und Leben und Men­schen und Frauen.

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Ob die Nächte ruhiger sind?...

Ob der Harms noch immer im Keller auspeitschen läßt?... Kreibel denkt an die ausgestandenen Qualen und Schrecken des großen, starken Schirrmann. Sie hatten ihn entsetzlich ver­prügelt, aber nichts aus ihm herausbekommen. Da schleppten sie ihn in den Keller. In der Badestube lag ein Genosse, der sich vor wenigen Stunden erhängt hatte. Sie banden Schirr­mann mit der Leiche zusammen, und zwar so, daß sein Gesicht auf dem Gesicht des Toten lag.

Eine Stunde später hatte Schirrmann zwei Kameraden ver­

raten...

Kreibel denkt an die Erzählung des Jungkommunisten Walter Körning. Mit drei weiteren Jugendgenossen wurden sie nachts aus den Zellen geholt und von einer SS- Abteilung mit Stahl­helm und Karabiner auf den Hof geführt. Es war eine klare, mondhelle Nacht, die Sterne glitzerten. Die SS - Leute stampften mit den vier Gefangenen über den lehmigen Boden des Ge­fängnishofes. Vor der halbabgebrochenen Innenmauer mußten sie sich hinstellen. Der Truppführer Teutsch trat vor und las von einem Zettel die vier Namen der Gefangenen ab. Dann fragte er, ob sie vor ihrem Tode noch einen Wunsch hätten. Als die vier verneinten, wurden die Gewehrläufe auf sie ge­richtet. In diesem Augenblick schrie Körning: ,, Es lebe der Kommunismus!"

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