Ein Gruß von den Genossen. Sie haben schnell herausbe­kommen, daß er draußen ist. Ihm wäre lieber gewesen, sie hätten sich nicht bemerkbar gemacht. Ich mache doch nicht mehr mit. Ich habe Urlaub, großen Urlaub.

,, Das ist doch wirklich nett von den Genossen, was?"

Kreibel knurrt Unverständliches. Dann meint er:

,, Sie haben doch selber nichts zu fressen!"

,, Das ist es ja. Sie haben gewiß gesammelt. Ich werde gleich eine schöne, starke Tasse Kaffee machen."

Diesen Abend, diese Nacht ist Kreibel schon ruhiger; er be­ginnt sich an das neue Leben zu gewöhnen.

Die Tage gleiten dahin. Kreibel geht in der Stadt spazieren, besucht den Lesesaal für Erwerbslose, streift stundenlang am Hafen herum und langweilt sich schrecklich. Oft begegnet er früheren Bekannten, Genossen. Gewöhnlich blicken sie, wenn sie ihn erkannt haben, weg und gehen grußlos vorbei. Kreibel weiß nie, schämen sie sich, weil sie sich gleichgeschaltet haben, oder sind sie vorsichtig, weil sie illegal arbeiten?

In der Frühe des ersten Sonntags nimmt er seinen Jungen an die Hand und verläßt das Haus.

,, Und wo wollt ihr hin?" Ilse begleitet die beiden bis an die Haustür.

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Wir werden an die Elbchaussee fahren."

,, Kommt rechtzeitig zum Essen zurück."

Kreibel löst Karten nach Fuhlsbüttel .

Zweimal umkreist er in großem Bogen den alten, finsteren Zuchthausbau. Hinter der hohen, roten Mauer scheint jedes Leben erstorben zu sein. Er aber weiß genau, was hinter den kalten Steinen vorgeht. Wie viele stille Sonntage hat er in der Ecke auf dem Betonboden gehockt. Damals konnte er nicht

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