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Internationale Arbeiterhilfe verpflegte die Streikenden. Da trat Onkel Arthur in die Internationale Arbeiterhilfe ein. Als die Unterstützungen aufhörten, trat er wieder aus. Von Nachbarn erfuhr er, daß die Christliche Mission " kinderreichen Fa­milien helfe. Er wandte sich an die Mission und schleppte Kleider und Eẞwaren nach Hause. Im Frühjahr 1933 war er einer der ersten, die sich gleichschalteten und statt der schwarz­rotgoldenen die Hakenkreuzfahne heraushängten. Seine Söhne schickte er ins Arbeitsdienstlager.

Onkel Arthur begrüßt Kreibel herzlich, rückt nahe an ihn heran und fragt: Nun erzähle mir mal, wie sieht es tatsäch­lich in so einem Konzentrationslager aus. Man hört so allerlei, aber meistens furchtbar übertriebene Sachen."

Kreibel hätte große Lust, diesem Menschen eine Grobheit ins Gesicht zu schleudern, aber er nimmt Rücksicht auf seine Mutter und antwortet nur kalt und abweisend:

,, Entschuldige schon, aber darüber spreche ich nur mit meinen besten Freunden!"

Onkel Arthur stellt keine weiteren Fragen. Die Unterhaltung will nicht mehr recht in Gang kommen, obwohl die Mutter ihr möglichstes versucht.

Gegen Abend klopft es an Kreibels Tür. Ilse öffnet. Ein junger Mann steht vor ihr und reicht ihr ein Paket.

,, Soll ich abgeben." Dann läuft er die Treppe hinunter.

In der Stube packen sie es aus. Es enthält Butter und Wurst, Käse, ein Glas Honig, ein Päckchen Kaffee und eine Flasche Tokayer. Kreibel findet einen kleinen Zettel, auf dem in kritzeliger Schrift steht:" Wir freuen uns alle. Laß es dir gut schmecken!"

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