Seine Frau liegt neben ihm, hält seine schweißigen Hände und bedeckt sein Gesicht mit Küssen, die sich mit ihren Tränen vermengen.
Der erste Weg am nächsten Morgen führt Kreibel ins Stadthaus.
,, Sind Sie der entlassene Kreibel selbst?" fragt der Beamte ihn zweifelnd.
" Jawohl!" Angst steigt in Kreibel hoch. Was soll die Frage? Wenn sie ihn nun gleich wieder festnehmen und zurück nach Fuhlsbüttel schaffen? Sie brauchen nur zu erklären: es war ein Versehen, nicht Sie, ein anderer sollte entlassen werden. Der Beamte verläßt das Zimmer. Ein leises Frösteln überkommt Kreibel. Wieder kommt er sich vor wie in einer Falle... läßt den Blick nicht von der Tür.
Der Beamte kommt wieder herein.
,, Also, Sie sind wirklich Kreibel selbst?" ,, Jawohl!"
Er
,, Sie haben wenigstens Courage. Andere schicken gewöhnlich ihre Frauen oder Geschwister. Hier haben Sie Ihren Entlassungsschein."
Erleichtert läuft Kreibel durch die halbdunklen Korridore des Stadthauses auf die helle Straße hinaus.
Bei seiner Mutter, die eine kleine Dachwohnung bewohnt, trifft Kreibel den Bruder seiner Mutter, Onkel Arthur. Onkel Arthur ist eine politische Wetterfahne; er sucht nur bei Parteien und Verbänden Anschluß, wenn er hofft, sie melken zu können. Lange Jahre war er Mitglied der Sozialdemokratie. Dann mußte er einen Streik mitmachen, obwohl der Verband sich weigerte, Unterstützungen zu zahlen. Die
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