Kreibel blickt nach oben. Dort lehnt sich Wachtmeister Teutsch über das Geländer der zweiten Station.

Wird entlassen! antwortet Otten, ohne von seinem Papier aufzusehen.;

Entlassen? Das muß doch wohl ein Irrtum sein! Teutsch schüttelt verständnislos den Kopf.Entlassen? Ich glaube, den werden wir bald wieder bei uns sehen.

Na, das glaub ich nicht. Otten dreht sich auf seinem Sitz herum und blickt zu Teutsch hinauf und hinterher auf Kreibel. Das glaub ich nicht. Aber wenn, dann gnade ihm Gott . Wachtmeister Nußbeck kommt. Er sieht Kreibel und geht auf ihn zu.

Werden Sie entlassen?

Jawohl, Herr Wachtmeister.

Das freut mich aber. Nun seien Sie bloß vernünftig und lassen Sie die Finger von der Politik. Kommen Sie ein zweites Mal

hierher, dann kommen Sie bestimmt nicht wieder heraus. Was wollen Sie nun draußen anfangen?

Ich bin Dreher, ich denke, daß ich bald Arbeit bekomme. Und wenn es nicht so schnell geht, wie Sie hoffen, dann nur nicht gleich die Flinte ins Korn werfen. Der nationalsozialistische Staat läßt keinen Volksgenossen verhungern.

Nußbeck geht die Treppe nach seiner Station hinauf. Kurz darauf tritt der Heildiener aus den Räumen der Kommandantur. Otten öffnet das große Gittertor. Brettschneider fragt leise:Was ist mit Kreibel?

Der wird entlassen!

Der Heildiener schlendert langsam auf Kreibel zu. In der Hand trägt er eine Arzneiflasche mit gelblicher Flüssigkeit.

Also entlassen?

Jawohl, Herr Heildiener!

330