Zu seinem Kind. Wird sich frei bewegen können. Frei. Sie be­trachten ihn mit stillen, schwermütigen Blicken.

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Wenn du buten büst, dann hau man bald aff, sonst kriegt se di doch wedder bi de Büx", rät Kesselklein und legt seine schwere Seemannshand Kreibel auf die rechte Schulter. ,, Walter, sei die erste Zeit bloß vorsichtig." Schneemann drängt sich zu ihm. ,, Ein unbedachtes Wort, und die ganze Tortur be­ginnt von neuem."

Kreibel nimmt alle Ratschläge und Glückwünsche schweigend entgegen. Er lächelt abwesend. Er hat sich seine Entlassung so ganz anders vorgestellt. Er schämt sich fast, ihm ist, als ver­sündige er sich gegen die Genossen. Dabei sieht er nicht einmal die neidischen Blicke, die ihm Hannes Kolzen zuwirft. Der steht allein am Fenster und kaut gierig an seinen Fingernägeln, dabei keinen Blick von Kreibel lassend.

Aber Kreibel begegnet dem schmerzvollen Blick Fritz Jahnkes, und sein Herz verkrampft sich. Was für Gedanken mögen in diesem Genossen brennen? Er geht in die Freiheit, dieser muß den Richtblock besteigen. Vor ihm steht das Leben; vor jenem der Tod. Nein, Kreibel hat sich seine Entlassung leichter, froher vorgestellt.

,, Du bist wohl ganz benommen, was?" Welsen tritt an ihn heran. ,, Aber glücklich bist doch, was? Hast die Scheiße erst mal hinter dir. Das andere findet sich."

,, Pst, Lühring kommt!" ruft Körning, der an der Tür horcht. Die Genossen drücken Kreibel seinen Pappkarton in die Hand, schieben ihm die Anstaltssachen zu und strecken ihm noch ein­mal die Hände hin.

,, Genossen", die Kehle ist Kreibel wie zugeschnürt. ,, Genossen... das kommt ziemlich überraschend... wirklich... kann es selber noch nicht fassen... aber ihr versteht, wenn ich hier nicht alles

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