wenden, nach. Ein übler Geselle. Mag der Teufel wissen, wie er auf solche Frage kommt, was er mit dieser. Frage beabsichtigt.
Borgers geht an den letzten Tisch und sieht Schachspielern zu. Nun plagen Kreibel doch Gewissensbisse. Er hätte kamerad- schaftlicher mit ihm reden müssen. Solche unpolitischen Leute stellen aus Unwissenheit und Naivität derartig gefährliche Fragen. Vielleicht hat er dabei keine Hintergedanken gehabt, war es ihm nur mal so in den Kopf geschossen. Aber, sagte er sich dann wieder, Vorsicht ist solchen Elementen gegenüber immer am Platze, ganz besonders heute und ganz besonders, wenn man sich in einem Konzentrationslager befindet. Hol’s der Teufel, er hätte ihn noch kälter abfahren lassen sollen. Mit solchem kriminellen Gesindel darf man im Gefängnis nicht politisieren; das ist reinster Selbstmord. Der Brillantendieb in der Sammel- zelle des Stadthauses, der war in Ordnung; der hielt Solidarität. Wie der von Dimitroff sprach. Da lachte einem das Herz. Dieser Brillantendieb war kein Angeber, kein Schleicher, kein Feigling ...Doch diesem Borgers traue ich nicht. Die kleinen Spitzbuben sind gewöhnlich die gemeinsten.
Noch mit diesen Gedanken beschäftigt, hört Kreibel hinter seinem Rücken wieder die Stimme Nathans.
„... einmal den Weg eingeschlagen, führt er unvermeidlich ins
gegnerische Klassenlager. Denke nur am Tschang Kai-schek. Auch er...”
Kreibel schmunzelte in sich hinein. Nun waren sie schon bei Tschang Kai-schek. Von Sadowa und Waterloo über die Marne- schlacht zur chinesischen Revolution. Er denkt, ich möchte doch wissen, was Nathan ihm auf seine Zufallstheorie geantwortet hat, beginnt aber wieder, sich in die schmucke Häuslichkeit des reu- mütigen Pfeifers von Hardt zu vertiefen.
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