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Die Prüfung : Roman aus einem Konzentrationslager / Willi Bredel
Entstehung
Seite
311
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So schnell wird es wohl nicht gehen! erwidert Welsen lachend. Aber was, Hein, das Herz geht einem auf, wenn man so etwas hört!

Eine ungeheure Spannung und Erregung hat alle Gemüter er- griffen. Nach Einschluß wird im Flüsterton bis tief in die Nacht diskutiert. Jeder fiebert nach weiteren Meldungen. Pläne werden geschmiedet, um Zeitungen und Nachrichten zu bekommen. Walter Körning erklärt, daß er morgen Wachtmeister Lühring fragen will, wie es in Osterreich aussieht. Selbst auf das Risiko hin, daß der Lühring ihm ins Gesicht schlägt.

Sechs Uhr morgens. Das elektrische Licht im Saal flammt auf. Draußen ist pech- schwarze Nacht. Der kleine Siebel springt wie jeden Morgen als erster vom Strohlager auf, geht und reißt die Fenster auf, die nachts verschlossen sein müssen. Frostigkalt dringt die Morgen- luft herein.

Die meisten können heute morgen nicht hochkommen, sie räkeln sich auf den Strohsäcken, gähnen und recken sich. Bis in die späte Nacht wurde geflüstert, und nun steckt noch Müdigkeit in den Knochen.

Einer nach dem andern kriechen sie in die Hosen und ziehen sich die Hemden über den Kopf. Jeder nimmt sich eine Wasch- schüssel und schließt sich bei der Wasserleitung an. Einer steht neben dem andern vor den Waschbecken, die auf den langen Bänken stehen, und wäscht sich.

Man los!"Man los! Raus aus den Federn! treibt Welsen die Langschläfer hoch.

Aus den Federn ist gut, knurrt einer.Das Stroh hat mich

gestochen und gepiesackt; als wärs lebendig geworden.