„Ach ja?” Schneemann lächelt Kreibel sarkastisch an.„Das sind ja verkappte Faschisten, nicht wahr?”
„Mir kommt das ja auch alles komisch vor”, mischt sich der Jungkommunist in die Debatte.„Wie aus’ner Pistole geschossen, bums, Revolution. Und vorher eine Politik, Mensch, nichts als
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Kapitulationen: „Die Sozialdemokratie hat stets erklärt, wenn uns die Reaktion einen bewaffneten Kampf aufzwingt, werden wir auch davor nicht zurückschrecken.”
„Nein, Schneemann”, nimmt Kreibel wieder das Wort,„be- waffneter Kampf gegen die Reaktion? Nachdem man fünfzehn Jahre mit ihr regiert hat? Nachdem man immer und immer wieder erklärt hat, daß es ein friedliches Hineinwachsen in den Sozialismus gebe? Nein, Schneemann, der bewaffnete Aufstand der österreichischen Arbeiter ist eine radikale Abkehr von der sozialdemokratischen Politik. Und was auch dort geschehen sein mag, der Aufstand kann nur gegen den Willen der sozial- demokratischen Parteibürokratie ausgebrochen sein.”
„Die Wiener Sozialdemokratie, der Schutzbund....”
„Hört mal”, schneidet Welsen dem Sozialdemokraten das Wort ab,„mir gefällt diese Debatte ganz und gar nicht. Wir wissen so gut wie nichts und reiben uns die Köpfe. Die österreichischen Arbeiter kämpfen. Das ist doch eine so herrliche Sache, daß wir sie uns durch Diskussionen, die in der Luft hängen, nicht ver- sauen lassen wollen. Arbeiter kämpfen, da kämpfen wir alle mit. Hinterher wollen wir rechten und kritisieren!”
„Gut gesprochen, Nathan”, bekräftigt Walter Körning,„mir direkt aus dem Herzen gesprochen! Schluß mit dem Streit!” Kesselklein kommt mit wiegendem Gang und strahlender Laune. „Du, Nathan, de Otto packt all siene Sooken. He gleuwt, dat se uns all hüt Nacht rutholt!”
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ERSTE


