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Die Prüfung : Roman aus einem Konzentrationslager / Willi Bredel
Entstehung
Seite
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.® Schließlich steht er auf und tritt in den Korridor, geht direkt auf Kreibels Zelle zu und öffnet. Der Gefangene steht vor- schriftsmäßig unter dem Fenster an der Wand und meldet: Schutzhaftgefangener Kreibel! Du hast einen Sohn? Jawohl, Herr Wachtmeister! Wie alt ist der? Drei Jahre, Herr Wachtmeister! Er ist ins Krankenhaus gekommen! Kreibel blickt auf den Wachtmeister, der an der Tür steht und ihn aufmerksam beobachtet. Herr Wachtmeister... was... fehlt ihm? Das weiß ich auch nicht! Ihre Frau war hier und wollte Sie sprechen! Kreibels Gesicht ist wie von einer Lähmung überzogen; er atmet schwer. Stoßweise bringt er hervor: Ist... es... sehr gefährlich, Herr Wachtmeister? Einzelheiten weiß ich auch nicht! Nach diesen Worten schließt Otten die Tür. Doch bevor er weitergeht, blickt er noch einmal durch den Spion und sieht den Gefangenen bleich und regungslos an der Wand unter dem Fenster stehen. Soll sich Gedanken machen. Soll sich auch ruhig unglücklich fühlen, denkt Otten. Dazu sind die Kerle ja schließlich hier.

Am nächsten Morgen hört Kreibel auf dem Korridor und in der Nebenzelle aufgeregtes Gelaufe. Otten flucht, die Kalfaktoren lassen die Kaffee-Eimer stehen und rennen die Treppen hinunter. Was ist nebenan passiert? Ob der junge Hansen sich erhängt hat? Wenn, dann hat ihn dieser Otten auf dem Gewissen. Was der Mensch für gemeine Augen bekam, als er ihm von seinem

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