die Sache im Sturm zur Sprache gebracht hat und der Meisel ihn schnitt!"
,, Dann hat er es gewiß auch schon anderen erzählt!"
,, Na, selbstverständlich!"
,, Kein schöner Charakterzug!" bemerkt Riedel lakonisch.
,, Schöner Charakterzug?" knirscht Dusenschön.„ Ein großes Schwein ist er, ein Erzhalunke!" Er vergräbt seine Hände in den Hosentaschen und rennt im Zimmer umher.
,, Ruf mal drüben an. Meisel soll herkommen!"
Wenige Minuten später tritt Meisel ins Zimmer. Mit großen, verstörten Augen blickt er um sich; sein erdfahles Gesicht schimmert grünlich; die Lippen hat er krampfhaft aufeinandergepreßt.
Bevor er Fragen an ihn richtet, steht Dusenschön lange am Schreibtisch, sieht Meisel an und klopft mit den Fingern auf die Tischplatte. Dann schüttelt er den Kopf und dreht ihm brüsk den Rücken zu.
Meisel spürt die Blicke seiner beiden Feinde Harms und Riedel, aber er sieht an ihren Gesichtern vorbei.
,, Von jedem andern... Wenn man mir das von jedem andern berichtet hätte, es hätte mich nicht so überrascht. Ausgerechnet du... Ausgerechnet du, der Übergewissenhafte, der bis ins kleinliche Genaue. Mensch, sag' mir bloß, wie hat dich der Lenzer dazu gekriegt?"
Dusenschön steht dicht vor Meisel, der den Blick des Sturmführers mit glanzlosen, unruhigen Augen erwidert.
,, Ich habe davon gewußt, aber nie direkt mitgemacht!" Dusenschön horcht auf. ,, Du hast nie mitgemacht?"
„ Nein!"
,, Keine Bestellungen aufgenommen? Keine Tabakwaren ins Lager geschmuggelt? Sie nicht auf die Säle verteilt?"
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